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Remand Homes und die Approved School in Tansaniam
Artikel für Habari, Februar 2005, von Nasrin Siege

Es gibt insgesamt fünf Remand Homes in Tansania, die sich in Dar-es-Salaam, Arusha, Moshi, Tanga und Mbeya befinden. Remand Homes sind geschlossene Wohnheime, in dem Kinder im Alter von 8 bis 16 Jahren, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, untergebracht werden. Hier sollen sie solange bleiben, bis eine Entscheidung des Gerichts über ihren Fall vorliegt. Diese Entscheidung kann die Freilassung oder die Überführung in eine weitere Institution, der Approved School in Mbeya, sein. Das ist eine geschlossene Erziehungsanstalt. Zuständig für die Remand Homes und der Approved School ist das Department of Social Welfare, die Abteilung für Soziales, das zu dem entsprechenden Ministerium (Ministry for Labour, Youth and Sports Development) gehört


Die fünf Remand Homes wurden nach der Unabhängigkeit Tansanias in den frühen 60iger Jahren gebaut. Ziel dieser Einrichtungen war die Trennung delinquenter Kinder von erwachsenen Delinquenten, Schutz der Kinder, ihre adäquate Versorgung und ihre Erziehung.

Mit dem Anstieg der Straßenkinderzahlen sind auch die Insassenzahlen in den verschiedenen Remand Homes in die Höhe gegangen. Eine Untersuchung der fünf Remand Homes und der Approved School durch das Department of Social Welfare (2001) zeigte, dass viele Kinder aufgrund von Diebstahlsdelikten und Herumstreunen in die Remand Homes eingewiesen werden. Die Untersuchung zeigte auch, dass die Gebäude aller Remand Homes zum Teil renovierbedürftig waren. Die Heime verfügten über wenig Platz für Ausbildung, Sport und Spiel. Die Mitarbeiter waren nicht genügend geschult, die medizinische Versorgung und die Ernährung der Kinder war mangelhaft. Es fand kein adäquater Unterricht statt. Die negative Haltung der Bevölkerung gegenüber den einsitzenden Kindern spiegelte sich in der Haltung des Personals der Heime wider.

Das Remand Home Pilot Projekt

Die Autorin hatte in den vergangenen Jahren immer wieder im Rahmen ihrer Arbeit mit Straßenkindern das Remand Home in Dar-Es-Salaam besucht und dabei die schwierige Situation der Kinder und der Mitarbeiter kennen gelernt. Ende 2000 hatte sie die Gelegenheit zum Gespräch mit dem obersten Dienstherrn des Department of Social Welfare, in dessen Verlauf das Vorhaben diskutiert wurde, im Dar-Es-Salaam Remand Home ein Pilot Projekt zu starten, in dem sie als ehrenamtliche Beraterin fungieren sollte. Im Juni 2001 lud das Department VertreterInnen verschiedener gesellschaftlicher Gruppen (u.a. Straßenkinderprojekte, religiöse Gruppen, Rotarier) und interessierte Menschen zu einem Planungsworkshop ein. Mit diesem Planungsworkshop hatte sich das Department an die Öffentlichkeit gewandt, sich dabei geöffnet und um Unterstützung gebeten. Auf dem Planungsworkshop wurde die Situation, in der sich die Kinder und das Personal des Dar-Es-Salaam Remand Homes befanden beschrieben und es wurden Ziele zur Veränderung mit entsprechenden Maßnahmen und Programmen formuliert. Zielgruppen des Projekts waren und sind sowohl die Kinder als auch das Personal.

Mit den unterschiedlichen Programmen des Pilot Projekts sollten die Ernährung, medizinische und psychologische Betreuung, Beratung, Ausbildung der Kinder und Ausbildung des Personals verbessert werden. Darüber hinaus sollte das Pilot Projekt als Modell für eine weitergehende Reform der anderen Remand Homes und der Approved School dienen.

Eine wichtige Komponente des Projekts war und ist die Einbeziehung gesellschaftlicher Gruppen (Unterstützungsgruppe, Straßenkinderprojekte, Hospitäler, verschiedene Frauengruppen, Rotarier, Botschaften) und Individuen (ehrenamtliche tansanische Lehrer, Ärzte, Künstler u.a.m.). Kurz nach dem Planungsworkshop wurde in Dar-Es-Salaam eine Unterstützungsgruppe ins Leben gerufen, deren Mitglieder sich aus den unterschiedlichen Bereichen der nationalen und internationalen Gesellschaft zusammensetzen. Da von Regierungsseite keine Finanzierung der einzelnen Programme vorhanden war, wurde das Pilot Projekt zunächst mit Spenden aus Deutschland (Hilfe für Afrika, e.V.) und aus Tansania (Rotary Club of Bahari DSM, IST-Clinic, Corona, Diplomatic Women) finanziert.

Das Dar-Es-Salaam Remand Home heute

Inzwischen ist das Remand Home nicht mehr wiederzuerkennen: Zwei ehemalige Straßenjungen haben mit den Kindern die ehemals grauen Mauern des Remand Homes mit bunten Tingatinga-Bildern und mit Kinderrechtsmotiven bemalt. Das Department hat eine Lehrerin, eine professionelle Krankenschwester und eine Lehrmeisterin (Schreinerei, Schneiderei, Handarbeiten) zur Verfügung gestellt. Die Kinder werden entsprechend ihrer schulischen Voraussetzungen, unterrichtet. Straßenkinderprojekte sind in verschiedenen Programmen involviert, wie z.B. in Workshops (Trommel, Tanz, Theater), Beratung der Kinder und Ausbildung der Mitarbeiter. Durch die Zusammenarbeit mit den Straßenkinderprojekten kommen einzelne Kinder nach ihrer Entlassung in die Obhut der Projekte und landen nicht wieder auf der Strasse. Die Kinder bewegen sich innerhalb des Remand Homes frei. Die Türen nach draußen sind offen und sie laufen — entgegen den früheren Ängsten — nicht davon. Besuchern fällt auf, dass die Kinder und die MitarbeiterInnen in einer entspannten und freundlichen Art miteinander kommunizieren und interagieren. Die Unterstützungsgruppe unterstützt durch Spenden, Öffentlichkeitsarbeit und praktischer Hilfe (Ärztin, Krankenschwester, u.a.m.) die einzelne Programme im Remand Home und den Aufbau von Unterstützungsgruppen in Mbeya, Tanga, Arusha und Moshi (Nationales Programm; siehe unten).

Die benachbarte Regency Clinic hat sich bereit erklärt, kranke Kinder kostenlos zu versorgen. Die Deutsche Botschaft und die Rotariergruppe (Rotary Club of Bahari DSM) hat den Bau einer kleinen Werkstatt (Schreinerei) finanziert und mit Hilfe der Rotarier wurden im Jahre 2003 neue Toiletten und Duschräume und im Jahre 2004 neue Dächer gebaut. Viele freiwillige Helfer sind involviert, u.a. LehrerInnen und tansanische Künstler.

Das Nationale Programm

Neben der Durchführung der laufenden Programme im Dar-Es-Salaam Remand Home hat das Pilot Projekt Team, unterstützt vom Ministerium für Jugend, Arbeit und Sport, den Entwurf zu einem Nationalen Programm ausgearbeitet. Das Nationale Programm zielt nicht nur auf die Veränderung der inneren Zustände der Remand Homes und der Approved School, sondern auch auf die Einstellungsänderung betroffener Gruppen (Polizisten, Journalisten, Eltern, Lehrer u.a.m.) und der Gesellschaft als Ganzem. Im November 2003 hat das Department, zusammen mit dem Dar-Es-Salaam Remand Home Pilot Projekt Team, die LeiterInnen der anderen vier Remand Homes und der Approved School in Mbeya zu einem Planungsworkshop in Dar-Es-Salaam eingeladen. Auch diesmal wurden Ziele und erste Maßnahmen für die einzelnen Remand Homes und der Approved School formuliert und am Ende des Planungsworkshops wurde für jede Einrichtung ein Aktionsplan entwickelt, dessen Umsetzung im zweiten Workshops im Oktober 2004 in Dar-Es-Salaam diskutiert wurde. Kernpunkte der Aktionspläne aller Remand Homes waren die Herstellung neuer Kontakte zu unterschiedlichen Gruppen innerhalb der Gesellschaft, der Aufbau von Unterstützungsgruppen, die Schulung der Mitarbeiter und die Ausstattung der Heime mit professionellem Personal durch das Department. Während die Remand Homes (und die Approved School) in Mbeya und in Tanga von inzwischen aufgebauten Unterstützungsgruppen bei der Umsetzung der Maßnahmen des Nationalen Programms unterstützt werden, gibt es noch keine Unterstützungsgruppen in Arusha und Moshi. Die Einsetzung professioneller MitarbeiterInnen (Lehrer, Krankenschwester, Trainer) durch das Department in den anderen Remand Homes und der Approved School hat noch nicht stattgefunden.

Die Zukunft der Remand Homes und der Approved School

as Pilot Projekt in Dar-Es-Salaam zeigt Erfolge. Vor allem ist mit ihm ein kleiner Anfang getan und entgegen vielen Vorbehalten und Vorurteilen ist gezeigt worden, dass mit wenigen effektiven Maßnahmen die Remand Homes den Zielen Schutz, Erziehung, medizinische und psychosoziale Betreuung und Ausbildung näher kommen als mit Wegschließen und körperlicher Bestrafung der Kinder. Noch hat sich diese veränderte Sichtweise nicht in allen Köpfen, in allen Gesellschaftsgruppen und in den Ministerien durchgesetzt. Die Situation in den Remand Homes in Tanga, Mbeya,Arusha und Moshi entspricht mehr oder weniger der Situation, in der sich das Dar-Es-Salaam Remand Home vor dem Pilot Projekt befand.Das mag daran liegen, dass das Pilot Projekt und das aus ihr entwickelte Nationale Programm noch relativ "jung" ist. Das kann eine Erklärung dafür zu sein, dass die Umsetzung des Nationalen Programms in die anderen Remand Homes mühsam und langsam vorangeht. Doch der Anfang ist mit dem Pilot Projekt in Dar-Es-Salaam getan und es ist zu wünschen, dass sich mehr Menschen aus dem nahen Umkreis der anderen vier Remand Homes zu Supportgroups zusammenschließen bzw. sich den bereits vorhandenen Supportgroups (Tanga, Mbeya) anschließen.

Die freiwillige Mitarbeit gesellschaftlicher Gruppen und Mitglieder ist hochzuschätzen. Sie genügt aber nicht den Anforderungen, die die Implementierung und Koordinierung des Nationalen Programms erfordern. Hier braucht die tansanische Regierung weitere technische Hilfe (Beratung und Finanzierung) von außen, um in der Lage zu sein, diese Arbeit in allen Remand Homes und in der Approved School von Dar-Es-Salaam aus koordinieren zu können.

Nasrin Siege hat von November 2000 bis Dezember 2003 als Beraterin im Dar-Es-Salaam Remand Home Pilot Projekt des Department of Social Welfare gearbeitet. Von Juni 2001 bis Dezember 2003 war sie Vorsitzende der Dar-Es-Salaam Remand Home Supportgroup.

 






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