Tagesheim für Waisen- und Strassenkinder in Addis Ababa/Äthiopien
Neues zum Waisen-Projekt in Addis Abeba
von Nasrin Siege
Mit dem Englisch-Unterricht mit einer Gruppe von ca 14 bis 17 der älteren Kinder fing es an: Ich hatte mir von Tapori (www.tapori.org), der Kinder-Organisation von ATD Vierte Welt mehrere Minibücher schicken lassen, die ich für den Unterricht verwenden wollte. In diesen Büchern werden auf wenigen Seiten, gut lesbar und mit Zeichnungen illustriert, Geschichten erzählt, die von Kindern handeln, die so wie die Kinder der „Insel“ in Addis aus armen und schwierigen Verhältnissen kommen bzw. in ihnen leben. Dieser Englisch-Unterricht hat sehr vieles frei gesetzt. Neben dem Erlernen der Sprache
- diskutierten die Kinder, mit Hilfe der Geschichten, über die Probleme der Kinder in den Geschichten
- sprachen die Kinder über sich
- bekam jedes Kind ein eigenes persönliches Exemplar von dem jeweiligen Minibuch, das sie mit ihrem Namen versehen konnten und sie konnten die Illustrationen darin anmalen.
- erweiterten die Kinder ihr Wissen über andere Länder.
Da ich kein Amharisch spreche, standen mir die Mitarbeiter des Projekts abwechselnd zur Seite: Yeneheh, Eyoub und Habtamu.
Diese Englischstunden fanden und finden einmal in der Woche in der „Insel“ statt. Die Kinder sind hoch motiviert und lernen von Woche zu Woche neue Worte.
Dieser Unterricht hat wiederum neue Ideen und Projekte geschaffen:
- Durch den Kontakt mit Tapori haben die Kinder Briefe und Zeichnungen an Kinder anderer Projekte verfasst und sie haben Briefe von Kindern aus anderen Ländern erhalten.
- Die Kinder haben zum 17. Oktober 2009, dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut sog. Dazibaos gemalt und beschriftet, die Tapori online ausgestellt hat.
- Die Kinder tauschen sich auf Englisch mit Emails und Briefen mit Schulklassen in Deutschland aus.
- Die Kinder haben zwei eigene Geschichten geschrieben, die aus einer Mischung aus Erzählen und Theater entstanden sind. Die Geschichte "Tarilu" ist ind Französiche übersetzt, im französichen Tapori Newsletter erschienen und in der englischen Originalfassung auf der Tapori Website zu sehen:
www.tapori.org/site/Tariku.html
- Neben der Arbeit mit den älteren Kindern des Projekts, habe ich versucht, nach dem Vorbild der Straßenbücherei, die ich in Madagaskar kennen gelernt hatte, für die Kleinen eine Buch- und Malstunde einzurichten. Denn auch in Äthiopien gibt es nicht sehr viel Auswahl an Kinderbüchern. Ich habe alle Bücher in Amharisch, die ich finden konnte, für die Bücherei gekauft. Bei den anderssprachigen Büchern habe ich nach möglichst textfreien Bilderbüchern geschaut. Einige Bücher habe ich in meinen eigenen Regalen gefunden. Andere bekam ich von Freunden in Addis, Deutschland und Verlagen gespendet.
Ein großer Renner bei den Kleinen sind Malbücher!
Es ist ein schönes Projekt und es ist eine reine Freude die Kinder in ihrem Vergnügen mit Büchern und Geschichten und ihre Kreativität zu erleben!
Während nun die Älteren in der Lese-Schreib und Theater-Werkstatt ihren Spaß haben, haben die jüngeren Kinder ihre Buchstunde, die oftmals von den Mitarbeitern mit dem Erzählen von Märchen gewürzt wird.
Seit Herbst 2009 unterstützt Sam, ein Schüler der Deutschen Botschaftsschule Addis Abeba, die Mitarbeiter der „Insel“ in der Buchstunde.
Informationen zu dem Projekt:
Der Verein „Let me be a child e.V.“ wurde 2004 von Etagegne Girma-Bierig, Marius Bierig und einer Gruppe von Freunden aus Deutschland und Äthiopien gegründet. Kurz darauf startete der Verein mit seiner Arbeit in einem Privathaus in Addis Ababa. Die erste Gruppe bestand aus 15 Kindern. Inzwischen ist die Gruppe auf 40 Kinder angewachsen und Kinder und Mitarbeiter sind in ein größeres Haus, das aus Spenden aus Deutschland finanziert wurde, umgezogen.
Die Kinder sind im Alter von 6 bis 15 Jahren, davon sind 27 Mädchen. Sie werden in dem Haus tagsüber betreut (Ernährung, medizinische Hilfe, psychologische Betreuung, Schule und Schularbeitenhilfe, Kleidung), während sie Nachts bei der Restfamilie übernachten. Die Projektmitarbeiter besuchen regelmässig diese Familien und überprüfen damit die adäquate Unterbringung der Kinder.
Nasrin Siege und Etagegne Girma-Bierig hatten bereits Anfang des Jahres 2008 voneinander gehört. Im April 2008 besuchte Nasrin Siege, zusammen mit Etagegne Girma-Bierig, das Tagesheim des Projekts. Seit dieser Zeit besteht ein guter Kontakt zwischen Hilfe für Afrika e.V. und „Let me be a child e.V.“.
Hilfe für Afrika e.V. finanziert seit Juni 2008 eine Schneiderin im Projekt, die nicht nur die Schuluniformen der Kinder näht, ihre Kleidung repariert, sondern auch interessierten Kindern das Nähen beibringt.
KiKu Berliner Kurier Artikel über das Projekt [PDF, 300kb]
Weitere Info finden Sie unter:
www.direkte-kinderhilfe.de
www.nasrin-siege.com
www.tapori.org
In seiner Arbeit mit Kindern geht der bekannte Fotograf Willy Puchner immer wieder in Schulen. In Addis Abeba traf er Nasrin Siege und lernte durch sie das Projekt „LET ME BE A CHILD“ kennen. Er hat dort mit den Kindern gezeichnet, und sie fotografiert.
Ihre Bilder sind auf seiner Website www.rotehasen.com zu finden (Ich bin-> Projekt)
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